Bogensport-NewsDas Frauenturnier von Paris – COUPE DES MISS
von Andreas Lorenz
Der Bogensport bedarf neuer Konzepte – In vielen Ländern wird das vorgemacht, in Deutschland hinkt man nach.
Zum zweiten Mal wurde im Pariser Vorort Issy-Les-Moulineaux die „Coupe Des Miss“ organisiert, ein Turnier an dem NUR Frauen teilnehmen dürfen. Ein Nischenturnier, sozusagen, bei dem es weder um Qualifikation für eine Landesmeisterschaft ging, noch um Titel; dennoch kamen 210 Schützinnen! Erlaubt war vieles (auch verkleidete Männer, die aber außer Konkurrenz schossen!) und so kamen viele Schützinnen mit Kleidern und Accessoires in der Farbe Pink, sogar ganze Bögen. Es wurden auch Sponsoren gefunden, die das Turnier unterstützten und somit auch den guten Zweck: Der deutsche Hersteller Werner Beiter zum Beispiel stiftete ein Stabisystem und einige der neuen Armschutz Soft in der Sonderfarbe PINK, jene Farbe, die den Kampf gegen den Brustkrebs symbolisiert.
Alle Schützinnen hatten bei diesem Event nicht nur ihren Spaß, sondern sammelten Geld für den guten Zweck: der Erlös der Veranstaltung kam nämlich der Brustkrebsvorsorge zugute.
Aus diesem Grund konnte man auch die Siegerinnen des Hallenweltcups zur Teilnahme an der „Coupe des Miss“ gewinnen: Die dänische Recurveschützin Louise Laursen und die russische Weltmeisterin im Compound Albina Loginova waren auf dem Weg zur Hallen EM und ließen es sich nicht nehmen, an diesem einzigartigen Turnier teilzunehmen.
Es wurde keine Hallenrunde im üblichen Sinne geschossen, sondern in „Face-2-Face“-Manier. Die Schützinnen wurden in Gruppen à 6 aufgeteilt und schossen je ein Match (max. 5 Sätze) Jede-gegen-Jede: pro Sieg 2 Punkte, für ein Unentschieden 1 Punkt, bei einer Niederlage 0 Punkte. Am Ende dieser Vorrunde (sog. Round Robin) qualifizierten sich die ersten 16 jeder Klasse (Recurve, Compound und Blank) für das jeweilige Finale mit klassischer Direktausscheidung: für diese Qualifikation zur Direktausscheidung zählten die gesammelten Punkte aus dem Round Robin und bei gleicher Punktezahl die geschossene Ringzahl.
Geschossen wurden viele Pfeile, denn das Turnierwochenende umfasste an den zwei Turniertagen zwei unterschiedliche Turniere: so konnte sich jede Schützin am Sonntag behaupten oder verbessern.
Im Prinzip ist das Pariser Turnier ein ganz normales Turnier, ohne den Anspruch ein Internationales Highlight zu sein. Es geht um die „Sache“ und den Spaß. Trotzdem lässt man es sich nicht nehmen ein kleines aber feines Finalschießen zu inszenieren, typisch für französische Turniere, die seit Jahrzehnten den Anspruch haben, die bestorganisierten im Bogensport zu sein.
Der Breitensport ist die Grundlage für die Verbreitung einer Sportart, jedoch sollte eine gewisse Dynamik herrschen, damit unser Sport nicht versteinert: neue Ideen sollten gefördert werden!
In Berlin machte der Win&Win Cup im Dezember 2010 einen Anfang und wurde sofort gut angenommen: mit Topschützen auf der Scheibe zu schießen, den Idolen des Bogensports über die Schulter zu schauen, ein Finale mitzuerleben.
In Tübingen wird Ende Mai im Rahmen der Bogensportmesse ein Turnier für jedermann mit Finale in der Stadtmitte geschossen.
Wir können nur hoffen, dass das neue Angebot von den Schützen wahrgenommen wird und diese sich nicht darauf versteifen, weiterhin zu denken, dass Bogenschießen nur aus dem Strudel der Vereins- ,Kreis- ,Bezirks- ,Landes- und Deutscher Meisterschaften besteht!
Das nächste Jahr sollte Paris am Wochenende der „Coupe Des Miss“ auch von deutschen Schützinnen besucht werden: Paris ist immer eine Reise wert, schneller und besser zu erreichen, als man denkt.