Bogensport-News»Man glaubt es nur, wenn man es selbst sieht«
von BM-Redaktion
Tipps und Tricks vom amerikanischen Spitzenschützen John Dudley. Vorschau für das BOGENSPORT MAGAZIN Heft Nr. 4/07, das am 28. Juni 2007 erscheint.
John Dudley: Ich möchte euch heute verraten, was ich tue, um meine Form über die gesamte Saison möglichst nahe am Top-Level zu halten. Ich weiß aus Erfahrung, dass man meist nur das glaubt, was man selbst sieht. Auf dem beschwerlichen Weg zum besseren Bogenschützen, egal an welchem Wegabschnitt man sich gerade befindet, sollte man es zur Routine machen, sich anhand von Fotos sich selbst zu kontrollieren und zu kritisieren.
Vor Jahren fuhr ich von einem 3-D Turnier zum nächsten und konnte es kaum erwarten die Bilder zu sehen, die Royce und Lealonnie beim letzten Turnier gemacht haben. Die hatten sie dann immer am Stand der "3-D Times" zum Verkauf angeboten. Zu der Zeit waren wir sehr dankbar für die Bilder, denn digitale Kameras waren noch nicht weit verbreitet und außerdem sehr teuer. Heutzutage können wir ein Bild knipsen und es innerhalb weniger Sekunden begutachten. Auch die Kameras haben sich stark verändert, von groß und unhandlich bis hin zur handlichen Größen, die man überall mit hinnehmen kann. Ich habe eine kleine Nikon Coolpix, die für ihre Größe erstaunlich gute Bilder macht. Die habe ich bei Turnieren immer bei mir und benutze sie dazu mich von Zeit zu Zeit zu überprüfen. Und wenn ich anfange schlecht zu schießen, hole ich zuerst meine Kamera heraus, um Bilder von meiner Abschuß-Haltung machen zu lassen.
Ich müsste lügen, wenn ich hier behaupten würde, dass ich keine schlechten Schüsse mache und meine Form nie eine kleine Korrektur bräuchte. Es ist immer sehr einfach dem Bogen die Schuld für den verpatzten Schuss zu geben. Ich weiß genau wovon ich rede, denn ich habe es auch schon zur Genüge getan. Es ist nicht einfach, den Finger mit dem man auf alles zeigt, was am verpatzten Schuss Schuld sein könnte, einfach umzudrehen und auf das wahre Problem zu zeigen und das bist fast immer Du selbst. (Und das mit dem Fingerzeigen trifft nicht nur auf das Bogenschießen, sondern auch auf viele andere Dinge im Leben zu.)
Natürlich gibt es auch Situationen, bei denen sich irgend etwas am Bogen löst und dadurch bewegt, aber meist bist du es, der für die Bewegung zuständig ist. Seit ich es mir angewöhnt habe, mich sehr oft zu analysieren, habe ich auch festgestellt, wie einfach es ist, kleine Änderungen an der Form vorzunehmen, ohne diese Änderungen selbst zu bemerken. Meist passieren diese Änderungen, wegen Müdigkeit, Turnierdruck, schlechtem Stand oder wenn man seine Abschuss-Routine außer Acht lässt.
Lasst mich mal ein Beispiel erzählen, was ich damit meine.
Letzten November bin ich beim Face-to-Face Turnier in Holland gestartet. Jedes Match ist dort ein Ausscheidungs-Match und entscheidet darüber, ob du weiter kommst oder gleich wieder einpacken kannst.
Ich hatte ein Match gegen meinen guten Freund Chris White und wusste, dass Chris auf jeden Fall gut schießen würde. Ich musste also versuchen möglichst viele X-er zu treffen und machte dadurch den Fehler nicht meiner gewohnter Abschuss-Routine zu folgen, sonder hielt etwas länger auf der Scheibe. Ich schoss nicht sehr gut im Match gegen Chris und direkt nach dem Match versuchte ich einen Kameramann zu finden, der Bilder von mir während des Matches gemacht hatte.
Ich fragte Dean Alberga, ob ich mir die Bilder ansehen könnte, die er gerade geknipst hatte. Denn wie der Titel des Artikel schon sagt, "Man glaubt es nur, wenn man es selbst sieht." Ich wusste sofort, was ich falsch gemacht hatte, als ich mir die Bilder anschaute.
Wenn ich versuche den Bogen besonders stabil zu halten, dann rutscht meine Schulter langsam aber stetig nach oben in Richtung Hals. Das Resultat ist eine andere Abschuß-Haltung, schwache Schüsse und Abweichungen zu meinen normalen Schüssen. Wenn man sich Foto A anschaut, (in der neusten Ausgabe des BOGENSPORT MAGAZIN) kann man gut erkennen, was ich meine. Es ist ein Bild vom Match mit Chris und man kann darauf deutlich erkennen, dass die vordere Schulter nach oben geschoben ist. Darunter leidet die Gleichmäßigkeit des Ankers, was man daran erkennen kann, dass die Sehne an der Seite der Nase entlang läuft.
Beim nächsten Match habe ich mir immer wieder eingebleut die Schulter unten zu lassen und die Sehne auf der Nasenspitze zu positionieren. Und es hat sich ausgezahlt. Das Foto B (in der neusten Ausgabe des BOGENSPORT MAGAZIN) stammt aus meinem nächsten Match, in dem ich volle Punktzahl geschossen habe. Man kann hier sehr deutlich die Schulterkorrektur erkennen und sieht, dass es von Vorteil ist, wenn man sich anhand von Bildern analysiert. Ich muss an dieser Stelle den Fotografen danken, die mich während des Matches aufgenommen haben. Die Bitte mich zu fotografieren wurde von manchen Fotografen wahrscheinlich eher als Ego-Trip eines Schützen aufgefasst, der sich gerne auf Bildern sieht. Aber hier ist der Beweis dafür, dass ich diese Bilder nur gebraucht habe, um meine Fehler zu erkennen und meine Haltung während des Turniers zu korrigieren.
Jetzt aber zu Euch, den Lesern dieses Artikels. Worauf solltet ihr bei den Fotos achten und in welcher Position kann man am Meisten erkennen? Am besten ihr lasst euch breitseitig fotografieren, wenn ihr gerade im Anker steht. Es gibt ein paar Dinge, auf die man achten sollte. Die vordere Schulter ist mit eines der wichtigsten, wie ihr bereits gelesen habt. Die Ausrichtung des Oberkörpers, die Ankerposition der Zughand und die Stellung der Füße gehören auch dazu. Wenn ich Fotos von meinen Schülern mache, dann schaue ich zuerst auf die Stellung des Oberkörpers. Steht er gerade oder ist er nach vorn oder nach hinten geneigt, was fast immer ein Zeichen für eine falsch eingestellte Auszuglänge beim Compoundbogen ist. Normalerweise sollte die vordere Schulter über dem vorderen Fuß bzw. über der vorderen Hüfte stehen. Beim nach hinten Lehnen des Oberkörpers steht die vordere Schulter hinter der vorderen Hüfte. Wenn die Auszugslänge zu lang eingestellt ist, dann ist es sehr schwer gerade dazustehen.
Der vollständige Bericht erscheint im BOGENSPORT MAGAZIN Heft Nr. 4/07, das am 28. Juni 2007 erscheint.