Bogensport-NewsDas Wappen hat überlebt
von Bernhard Möslein
Es gibt sicher angenehmere Möglichkeiten, ein Jubiläum zu begehen. Wenige Wochen nach den Feiern zum 20jährigen zerstörte im Juni 2009 ein Feuer die Bogensportanlage des VSG Stapelfeld. Carports, Einrichtung, Küche, Bogenmaterial – alles weg. Versicherungstechnisch ist nach der (vermuteten) Brandstiftung zwar alles im Reinen, viele ideelle Werte gingen jedoch unwiederbringlich verloren. „Man glaubt es kaum, aber an unserem „Wappen“-Pokal vom Sternturnier wurde nur der Glaskasten versengt, der Holzwagen selbst hat überlebt“, freute sich Abteilungsleiter Hans Köhne über Glück im Unglück.
Der DBSV-Leuchtturm im Norden geriet auch nur kurz ins Wanken. Deutliches Zeichen: Die Bewerbung des 160-Mitglieder-Vereins für den Verbandspokal der Erwachsenen im Frühjahr 2010 wurde nicht zurückgezogen und dazu noch – als Not im Verband war – die Hallenmeisterschaften Recurve/Compound des Bogensportverbandes Mitte März übernommen. Regen, Wind, 2°C – es gibt sicher angenehmere Begleitumstände, um an die Küste zu fahren. Eine gute Idee, die Fahrt angenehm zu gestalten, hatten die Ostthüringer Bogensportler: Jena und Unterwellenborn/Könitz, sportlich und freundschaftlich eng verbandelt, charterten kurzerhand einen Bus und nutzten die 6-Stunden-Reise u.a. für eine kleine Geburtstagsnachfeier und die gemeinsame Saisonplanung.
Den Anfang der zweitägigen Meisterschaften in vier Durchgängen machten die Nachwuchsklassen Compound. Hier ragte Christian Raupach (Feggendorf) mit seinen 579 Ringen in der U20 ganz deutlich heraus. Der Niedersachse erzielte damit sogar einen Ring mehr als Herrensieger Uwe Bantje (Freden), der sich nachmittags vor Titelverteidiger Marcus Laube (Garbsen/576) und Thomas Hasenfuß (Seehausen/575) durchsetzte. Die weiteren Nachwuchstitel gewannen Nick Ratzmann (Lübbenau/U12), Dominik Jost (Glauchau) und Shirin Köhler (Ehrenfriedersdorf) in der U14, Simon Klundt (Albbruck) und Pia Stadie (Golden Arrow) in der U17 sowie Jenny Ashcroft (Erftstadt/U20). Bei den Damen wurde Bianca Pfeifer (Unterwellenborn) ihrer Favoritenrolle gerecht und holte sich den Meistertitel mit 571 Ringen souverän vor Melina Kranz (Seehausen/558) und Vereinskameradin Ramona Wagner (557).
Die Titel in den Altersklassen Ü40 und Ü50 blieben durch Claudia Feller (Heikendorf/562) und Angelika Karl (Stapelfeld/561) unter großem Jubel im Norden. Neuer Titelträger in der Ü45 wurde Bernd Krüger von den Kyffhäuser Gokels mit 578 Ringen und acht Ringen Vorsprung auf Bodo Hoppe (Albbruck). Eine „10“ mehr brachte Bernd Großstück (Garbsen) bei 567 Ringen ringgleich mit Hartmut Bielefeld (Seehausen) die Goldmedaille in der Ü55. Bei der DM-Premiere der Ü65 gab es durch Ulli Schwark aus Rostock und Helmut Baur (Lindach/beide 566) absolute Ringgleichheit und damit zwei Titelträger. Die Mannschaftstitel gingen an Ehrenfriedersdorf (Michaelis, Köhler, Juhas) beim Nachwuchs und den BSC Garbsen (Laube, Großstück, Mattes).
Große Emotionen bei den jüngsten Recurveschützen, die Sonntagvormittag antraten: Jede Menge Maskottchen, Jubel, Tränen, auch eine kleine Verletzungen und viele Eltern, die ihre Sprösslinge mehr oder weniger intensiv betreuten. Zwei kleine U12er, die vielleicht mal ganz groß werden, lieferten sich auf Scheibe 1 ein feines Duell. Jonas Kraßnitzer (Unterwellenborn) mit der Startnummer „1A“ legte auch einen 1A-Wettkampf hin und gewann mit 568 Ringen vor der „1B“ Matti Block aus Greifswald (558). Beide sind übrigens in eine Schul-AG für den Bogensport entdeckt worden – immer noch die effektivste Art, Talente frühzeitig zu finden. Ungefährdet war Alissa Mäder aus Glauchau mit ihrem Siegerresultat von 547 Ringen bei den jüngsten Mädchen. In einem äußerst spannenden, da gut besetzten U14-Wettbewerb verteidigte Carlo Schmitz (Holten) seinen Titel mit 567 Ringen vor Kenneth Schröder (Schwedt/560) und Johannes Schultze (Strausberg/558). Schmitz holte gemeinsam mit U20-Sieger Sebastian Watermann (560) und Marius van den Boom auch den Mannschaftstitel für die Rheinländer von TuS Holten. In den weiteren Altersklassen gewannen Joan Gieseke (Döbeln/U14), Nico Wächter (Mülheim) und Lisa Oswald (Alsdorf) in der U17 sowie Anne Eichhorn aus Döbeln in der U20.
Diana Romstedt (Döbeln) wiederholte im letzten Durchgang ihren Damentitel von Saarbrücken mit 549 Ringen vor Alena Fröhlich (Mühldorf) und Kyung Hwa Lee (Berlin) mit je 542 Zählern. Höher hinaus gingen die Ringzahlen eine Altersklasse weiter, wo Annedore Röbisch mit 569 Ringen eine Klasse für sich war und vor Gabi Schultze (Strausberg/557) und Sabine Eberhardt (Erfurt/554) gewann. Bei den Herren setzte sich Maik Herrmann (Döbeln/573) dank starker zweiter Hälfte vor Markus Wolf (Stapelfeld/567) und 2009-Sieger Ralf Schützhold (Freital/565) durch. Der anfangs führende Mirko Swinnty aus Holten hielt seinen Lauf nicht durch und wurde Vierter. In der Ü45 konnte Andreas Erdmann (Werdau) für 551 Ringe ein weiteres Mal die Sachsenfahne hissen. Jubel beim Gastgeber über den Titelgewinn von Anna Salzmann in der Ü50 mit 531 Ringen. Die beiden Seniorenklassen gewannen Michael Grohmann (Seeheim/543) sowie Johannes Rinke (Baden/529) die Ü65. Der Mannschaftstitel blieb durch Wolf, Klaus und Gäde mit 1676 Ringen im Ort, auf Rang 2 und 3 ringgleich Döbeln und Erfurt.
Die Meisterschaft in der geräumigen Tennishalle lief sauber und fair ab. Ein paar kleinere Baustellen am Scheibenmaterial und mit der Beleuchtung wurden noch schnell beseitigt. Aber es war deutlich zu merken, so richtige „Hallenfreaks“ sind die Stapelfelder als Ausrichter nicht. Der Großverein fiebert förmlich dem Wiederaufbau seines Bogenplatzes entgegen. „Wir haben gerne ausgeholfen“, so Hans Köhne, „aber noch eine Hallen-DM muss es nicht unbedingt sein.“