Montag, 20. Mai 2013
Bogensport-News

Die perfekte Ausrichtung eines Visier

von Liam Grimwood

Als Neuling unter den Schreibern des BOGENSPORT Magazins möchte ich mich den Lesern kurz vorstellen und einen Überblick über meine Laufbahn geben. Zur Zeit lebe ich in Liverpool. Ich habe 1995 im Alter von acht Jahren mit dem Bogensport begonnen und habe seit dem ersten Tag mit einem Compoundbogen geschossen, deshalb habe ich auch fast keine Erfahrungen mit dem Recurvebogen.

Im Jahr 2002 habe ich es zum ersten Mal ins Nationalteam geschafft und habe seit dem jedes Jahr mein Land bei Indoor, Outdoor und Feld Turnieren international vertreten. Dieses Jahr ist meine zehnte Saison im Nationaldress.
Ich habe 2008 meinen Job als Elektro-Ingenieur an den Nagel gehängt, um mich meiner Karriere als Pro-Schütze voll widmen zu können. Meine Aufgaben sind seither an internationalen Turnieren teilzunehmen, Seminare auf der ganzen Welt zu geben und Schützen zu coachen. Ich habe außerdem meine eigene Serie von Produkten auf den Markt gebracht, unter denen man DVDs, Gewichte und Griff-Tape findet.

Meine Erfolge als Schütze sind unter anderem:

Silber bei den 2009 Fita World Target Championships
IFAA European Champion 2009 and 2011.
IFAA World Champion 2010
90 m Welt Rekord Halter mit 349 Ringen
Höchste FITA Runde mit 1413 Ringen
Europäischer Rekord für 2 x 70 m mit 714 Ringen
2010 Vegas Finalist

Mein Ziel ist es dem Leser mehr Einblick darüber zu geben, welche Tests und Vorbereitungen nötig sind, um ein internationaler Champion zu werden. Ich bin immer am Lernen und experimentiere auch immer mit neuen Ideen. Ich hoffe ich kann euch damit eine Hilfe sein, auf eurem Pfad zu einem besseren Schützen.

Mehr und spezielle Informationen findet ihr dazu unter: www.liamgrimwood.com



Ausrichtung des Visiers

Mein erster Artikel dürfte wohl am ehesten für die Feldschützen interessant sein. In diesem Artikel versuche ich zu erklären, welchen Einfluss die dritte Achse am Visier hat und wie man sie perfekt einstellen kann. Ich habe schon so viele Schützen bei Turnieren oder bei meinem Coaching gesprochen, die sich mit dem Ausrichten des Visiers schwer tun, bzw. es nicht ganz verstehen und deswegen viele Punkte verschenken. Zuerst ist es wichtig zu verstehen, dass ein Visier in drei verschiedenen Ebenen ausgerichtet sein muss, um es perfekt nutzen zu können. Diese drei Ebenen werden auch die drei Achsen des Visiers genannt. Wenn dein Visier perfekt lotrecht ausgerichtet ist, dann kannst du auf allen Entfernungen, sowie bergauf und bergab schießen, ohne Korrekturen an der Seiteneinstellung machen zu müssen.

Die erste Achse ist die parallele Ausrichtung deiner Visierschiene zum Bogenfenster und hat zu diesem Zeitpunkt noch nichts mit der Scope-Ausrichtung zu tun.

Die zweite Achse ist die Auf- und Ab-Ausrichtung des Scopes auf der Visierschiene. Wenn diese korrekt eingestellt ist, dann kannst du den Scopeschlitten von oben nach unten bewegen und die Blase der Wasserwaage bleibt dabei immer in der Mitte stehen. Wenn Schützen bei unterschiedlichen Entfernungen die Seiteneinstellung des Scopes korrigieren müssen, dann ist sehr oft die Einstellung der zweiten Achse daran schuld.

Die dritte Achse ist sicherlich die am schwersten zu verstehende Ausrichtung des Visiers. Die dritte Achse beeinflusst den Rechts-, Links-Versatz des Visiers bei Bergauf- und Bergab-Schüssen. Bei korrekter Einstellung kann man sowohl bergauf, als auch bergab schießen, ohne das Visier seitlich korrigieren zu müssen. Wer also bei solchen Schüssen seitlich korrigieren muss, sollte diese Einstellung überprüfen.

Es gibt viele Hilfsmittel auf dem Markt, die einem bei der Ausrichtung des Visiers helfen. Bei einigen wird nur das Visier auf der Werkbank montiert, um die Justagen vorzunehmen. Diese Hilfsmittel sind aber ungeeignet, wenn man die dritte Achse für den Versatz statisch und beivollem Auszug einstellen möchte. Um sich diesen Versatz besser vorstellen zu können, sollte man den Bogen ausziehen und beobachten, wie der Stabi am Anfang und am Ende des Auszugs steht. Oder man schaut auf den Abstand vom Pfeil zu den Kabeln. Oft ist der Pfeil im Ruhezustand weiter von den Kabeln entfernt, als bei Vollauszug. Die Torsion durch die Bogenhand ist meist die Ursache für diesen Versatz, der bei kurzen Bogen, Bogen mit stark reflexer Bauform oder Bogen mit hohem Let-off sogar noch verstärkt wird. Dieser Versatz ist auch überhaupt kein Problem, wenn du weißt, wie du es messen kannst und dementsprechend die Ausrichtung deines Visiers anpassen kannst. Bei Bogen mit einem großen Versatz in der dritten Achse kann man locker mal 50 Zentimeter zur Seite schießen, wenn die Neigung bergauf oder bergab groß genug ist. Deshalb ist es wichtig ein Messwerkzeug zu nutzen mit dem man alle Achsen korrekt einstellen kann.
Als ich in den USA beim Turnier war, habe ich solch ein Messwerkzeug für die Ausrichtung des Visiers gefunden, das von Hamskea Archery Solutions vertrieben wird. Dieses Werkzeug ist einfach zu bedienen und die Visier-Einstellung passt jedes Mal perfekt. Da ich über das Jahr Hunderte von Bogen einstelle, ist es toll, dass das Hamskea Werkzeug auf alle marktüblichen Visiere passt und nicht Hersteller spezifisch ist.

Bevor wir dieses Messwerkzeug zum Ausrichten der zweiten und dritten Achse verwenden, müssen wir aber zuerst einmal die erste Achse einstellen. Dazu wird die Visierschiene zur Innen- oder Außenkante des Bogens im Bereich des Bogenfensters ausgerichtet. Dazu nehme ich meist eine kleine Wasserwaage.

Ich gehe jetzt die einzelnen Einstellungs-Schritte mit Hilfe des "Easy Third Axis Level" Werkzeugs durch. Auf der Webseite www.hamskeaarchery.com findet man auch ein 50 Minuten Video, das diese Schritte noch mal bis ins Detail erklärt.

1. Schritt: Befestige das Werkzeug an der ersten Achse des Visiers, also an der Visierschiene. Bitte darauf achten, dass das Messwerkzeug plan an der Schiene anliegt.

2. Schritt: Justiere die zweite Achse des Visiers, bis die Blase der Scope-Wasserwaage genau so steht, wie die Blase im "Easy Third Axis Level" Werkzeug. Damit wird gewährleistet, dass die Visierschiene lotrecht steht, wenn du später den Bogen so hältst, dass die Blase der Scope-Wasserwaage mittig steht. Wenn du jetzt das Scope nach oben oder unten schiebst, dann läuft das Scope absolut lotrecht und es gibt keine Links-, Rechts-Abweichung.

3. Schritt: Justage der statischen dritten Achse. Setze den Stabi in einem recht steilen Winkel auf den Boden auf und verstelle die Justagemöglichkeit des Visiers für die dritte Achse, bis die Blasen in den Wasserwaagen im Scope und im Messwerkzeug identisch stehen. Diese Einstellung machen wir, damit wir nachher den Unterschied von der statischen Einstellung zur Einstellung bei Vollauszug sehen können.

4. Schritt: Justage der dritten Achse bei Vollauszug. Das ist der Teil der Einstellungen, der den Meisten etwas Schwierigkeiten bereitet. Dazu wird zuerst der Justage-Pin des "Easy Third Axis Level" Messwerkzeugs so eingestellt, dass man oberhalb und unterhalb des Scopes jeweils das Ende des Pins erkennen kann. Danach brauchen wir eine lotrechte, vertikale Linie an einer Wand. Diese kann entweder direkt auf die Wand aufgemalt werden, oder auf ein Stück Papier aufgemalt und dann an der Wand befestigt werden. Oder aber man nimmt sich eine Türzarge oder einen anderen vertikalen Gegenstand zu Hilfe, von dem man weiß, dass er genau lotrecht ist.
Der Justage-Pin ist einfach nur ein weiterer Indikator, genau wie die Wasserwaage im "Easy Third Axis Level" Werkzeug, der einem zeigt wie die erste Achse steht. Der Pin steht parallel zur ersten Achse. Wenn also beide Pin-Enden auf die lotrechte Linie an der Wand gehalten werden, dann ist die erste Achse und damit auch die Visierschiene genau im Lot. Das ist insofern wichtig, weil sich die Wasserwaagen-Blasen im Scope und im Messwerkzeug durch den Auszug des Bogens und die dadurch entstehende Torsion etwas verschieben können und dadurch nicht für die korrekte Einstellung der dritten Achse zu benutzen sind. Der Pin ist allerdings von der Torsion nicht betroffen und wird mit beiden Enden an der vertikalen Linie ausgerichtet. In dieser Stellung wird dann mit der Justagemöglichkeit für die dritte Achse, die Wasserwaagen-Blase im Scope genau mittig eingestellt.

Bitte beachten: Sobald du den Bogen ausziehst, dann steil nach unten hältst und beide Enden des Pins mit der vertikalen Linie in Deckung bringst, ignoriere bitte die Blase des Werkzeugs und nimm nur den Pin zum exakten Ausrichten des Bogens.
Einige Visiere haben keine Möglichkeit die dritte Achse zu justieren. In diesem Fall musst du den Montageblock des Visiers entsprechend unterlegen. Sobald alle Justagen gemacht sind ist dein Visier genau lotrecht eingestellt ist, kannst du mittig auf alle Entfernungen, sowie bergab und bergauf schießen, ohne weitere Rechts-, Links-Justagen am Visier vornehmen zu müssen.
Ich hoffe diese Anleitung wird dir helfen dein Visier so optimal einzustellen, dass du nicht mehr über seitliche Visier-Verstellungen auf unterschiedlichen Entfernungen und bei Steilschüssen nachdenken musst und deshalb mehr Ringe erreichen kannst.

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